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Hirnherniation

Auch bekannt als: Dislokationssyndrom

Hirnherniation (vom lat. herniatio — Protrusion, Hernie) ist eine lebensbedrohliche Komplikation der intrakraniellen Hypertonie. Dabei wird ein Teil des Gehirngewebes durch hohen Druck in schmale natürliche Öffnungen im Schädel gedrückt.

Ätiologie und Pathophysiologie

Die Schädelhöhle ist durch steife und unelastische Trennwände aus harter Hirnhaut in mehrere Abteile unterteilt. Bildet sich ein großes Hämatom oder ein ausgeprägtes Ödem, steigt der Druck in einem dieser Abteile katastrophal an. Gesundes Hirngewebe sucht einen Ausweg und weicht in die Richtung des geringsten Widerstands aus.

Die häufigste Variante ist die temporo-tentorielle Herniation. Dabei verlagert sich der Haken des Temporallappens in die Kerbe des Kleinhirnzeltes. Die zweite kritische Variante ist die okzipitale Herniation, bei der die Kleinhirntonsillen durch das Foramen magnum gedrückt werden, wo das Gehirn in das Rückenmark übergeht.

Klinische Signifikanz

Das betroffene Hirngewebe wirkt mechanisch wie ein Keil. Es komprimiert den Hirnstamm, eine Struktur, die wichtige Lebenszentren für Atmung, Herzschlag und Kontrolle des Gefäßtonus enthält.

Klinisch zeigt sich dieser Prozess durch ein schnelles Absinken des Bewusstseins bis hin zum tiefen Koma. Charakteristisch ist die einseitige Pupillenerweiterung und eine unnatürliche Streckung der Gliedmaßen als Reaktion auf Schmerzen. Wird die Verlagerung auf die unteren Abschnitte des Hirnstamms übertragen, ist ein Atemstillstand und der Tod unausweichlich. Dieser Zustand ist eine absolute Indikation für eine dringende chirurgische Dekompression zur Lebensrettung des Patienten.

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