Roseola infantum, auch Exanthema subitum: Ätiologie, Pathophysiologie, Klinik, Diagnostik, Therapie, Prophylaxe

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Die Roseola infantum ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten im Kindesalter und kommt überall vor.

In der medizinischen Fachliteratur findet man Roseola unter den Bezeichnungen Exanthema subitum, Dreitagefieber, Dreitagefieberexanthem sowie Sechste Krankheit.

Klinisch äußert sich die Roseola infantum durch einen Anstieg der Körpertemperatur über einen Zeitraum von drei Tagen ohne weitere Symptome, gefolgt vom Hautausschlag (Exanthem) mit feinen Flecken. Die Infektion erfolgt meist vor dem dritten Lebensjahr, und die meisten Kinder überstehen die Krankheit ohne Komplikationen. Vor dem Auftreten des charakteristischen Hautausschlags ist es nicht einfach, die Roseola infantum zu diagnostizieren. Wenn man jedoch die Besonderheiten der Epidemiologie und des Infektionsverlaufs kennt, kann der Weg zur richtigen Diagnose erheblich verkürzt werden.

Roseola infantum
Roseola infantum

Ätiologie und Epidemiologie

In den meisten Fällen wird das Dreitagefieber durch das humane Herpesvirus 6 (HHV-6), in einigen Fällen durch HHV-7 verursacht.

Über 90 % der Erwachsenen weltweit sind mit HHV-6 infiziert, wobei ein Teil davon den Virus über den Speichel ausscheidet und so zu seiner Verbreitung beiträgt. Der Altersgipfel für Roseola infantum liegt zwschen dem 3. und 9. Lebensmonat.

Das humane Herpesvirus 6 (HHV-6) wird in zwei Subtypen unterteilt, HHV-6A und HHV-6B, deren biologische, immunologische, epidemiologische und molekulare Eigenschaften unterschiedlich sind. Als Erreger des Exanthema subitum gilt HHV-6B, während eine HHV-6A-Infektion häufiger bei Erwachsenen oder immungeschwächten Personen auftritt. Die Erreger gehören zur Familie der Herpesviren und weisen dieselben Eigenschaften auf wie andere Herpesviren.

In der Regel erfolgt die Erstinfektion während des Kontakts des Kindes mit dem pflegenden Erwachsenen, der eine latente Form der Infektion hat. Das Virus wird mit dem Speichel ausgeschieden und durch Tröpfcheninfektion und Kontakt beim Niesen, Husten, Lachen und Küssen übertragen.

Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 5 bis 15 Tage.

Pathophysiologie

Das HHV-6 repliziert bei einer Primärinfektion meist in Lymphozyten und Speicheldrüsenzellen. Das Virus befällt reife CD4+-T-Lymphozyten und wirkt immunmodulierend, indem es die Aktivität der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) fördert.

Als Reaktion darauf erhöht der Körper die Synthese von Interleukin-15 (IL-15) durch andere Zellen, was der viralen Wirkung auf das Immunsystem entgegensteht. Nach dem Eindringen in die Zelle repliziert das Virus, und seine DNA bleibt lange Zeit in den mononukleären Zellen des peripheren Blutes erhalten, was zu einer latenten lebenslangen Infektion führen kann.

Klinisches Erscheinungsbild

Das klassische Krankheitsbild der Roseola infantum umfasst:

  • Fieber bis zu 40 °C und höher für 3–5 Tage, das mit fiebersenkenden Mitteln nur schwer zu bekämpfen ist. Dabei kann das Kind aktiv bleiben und einen guten Appetit haben.
  • Feinfleckiges Exanthem, das 3–5 Tage nach Krankheitsausbruch auftritt. Meistens handelt es sich um rosafarbene, runde Flecken oder Knötchen mit einem Durchmesser von 2–3 mm, die weggedrückt werden können. Zunächst stammbetnont, breiten sie sich mit der Zeit auf den Hals und die Extremitäten aus. Der Ausschlag verschwindet nach 2 bis 4 Tagen spontan.

Seltener auftretende Symptome sind:

  • Entzündung der oberen Atemwege: Pharyngitis, Pharyngotonsillitis, Tracheitis usw. In einigen Fällen kann man rötliche Flecken am weichen Gaumen (sog. Nagayama-Spots) beobachten.
  • Mittelohrentzündung (Otitis)
  • Lymphadenopathie: Vergrößerung der peripheren Lymphknoten

Komplikationen:

  • Fieberkrämpfe
  • Thrombozytopenie (eine verminderte Anzahl von Thrombozyten im peripheren Blut)
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS): eine Polineuritis, die sich 1–4 Wochen nach der Infektion entwickelt
  • Hepatitis
  • Enzephalitis, Meningoenzephalitis

Diagnostik der Roseola infantum

In der Regel wird die Diagnose einer Roseola infantum rein klinisch gestellt und erfordert keine Labortests.

Zum Nachweis des Erregers wird häufig die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) eingesetzt, um die DNA des Erregers im Blut, Speichel oder Abstrichen zu identifizieren. Seltener wird eine Blutuntersuchung auf spezifische Antikörper der Klassen IgG und IgM durchgeführt.

Differentialdiagnose

Bei der Roseola infantum sollte differentialdiagnostisch folgenden Erkrankungen bedacht werden:

  • Masern
  • Röteln
  • Scharlach
  • Arzneimittelexanthem
  • Allergischer Hautauschlag
  • Mononukleose (eine Viruserkrankung, die durch das Epstein-Barr-Virus verursacht wird)
  • Zytomegalievirus
  • Erythema infectiosum (Infektionskrankheit, die durch das humane Parvovirus B19 ausgelöst wird)

Behandlung der Roseola infantum

Die Roseola infantum verschwindet in den meisten Fällen spontan und erfordert keine spezielle Behandlung.
Beim Nachweis der Krankheit sollte der Arzt der Pflegeperson erklären, in welchen Fällen erneut medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden muss und wie das Kind richtig zu pflegen ist.

Zustände, die sofortige medizinische Maßnahmen erforderlich machen:

  • Bewusstseinstrübung, pathologische Schläfrigkeit
  • Fieber, das sich trotz fiebersenkender Mittel nicht senken lässt
  • Krämpfe
  • Hämorrhagisches Exanthem, dass sich nicht wegdrücken lässt
  • Erbrechen, das keine Erleichterung mit sich bringt
  • Gelbfärbung (Ikterus) von Haut und Sklera
  • Verfärbung des Harns
  • Ödeme

Symptomatische Therapie:

  • Fiebersenkung
  • Nasenreinigung
  • Rehydrierung

Prophylaxe der Roseola infantum bei Kindern

Es existiert keine spezifische Prophylaxe (Impfung) gegen HHV-6 und HHV-7.

Zu den unspezifischen Vorbeugungsmaßnahmen gehören:

  • Eine Isolierung von Kindern mit akuter Roseola infantum
  • Sorgfältige Körperhygiene

Immunität

Eine durchgemachte Roseola infantum hinterlässt eine lebenslange serologische Immunität. Selten kann es zu einer Reaktivierung von HHV kommen, insbesondere bei Personen mit Immundefekten.

FAQ

1. Was ist Roseola infantum und was sind die Ursachen dafür?

Die Roseola infantum (Exanthema subitum) ist eine akute Virusinfektion, an die vor allem Kleinkinder (zwischen 6 Monaten und 3 Jahren) erkranken. Die Ursache ist eine Primärinfektion mit dem humanen Herpesvirus Typ 6 (HHV-6B), seltener mit dem Typ 7.

2. Wie verläuft die Roseola infantum und welche Symptome treten dabei auf?

Bei der Krankheit werden zwei Stadien unterschieden. Zuerst kommt es drei bis fünf Tage lang zu anhaltendem Fieber 39–40 °C. Dabei werden in der Regel keine katarrhalischen Erscheinungen (Husten, Schnupfen) beobachtet, das Kind bleibt aktiv. Das zweite Stadium folgt unmittelbar der Entfieberung: Es tritt ein Hautausschlag mit feinen rosafarbenen Flecken auf, zunächst stammbetont, der sich dann auf die Extremitäten ausbreitet und nach einigen Tagen spurlos verschwindet.

3. Wie wird die Infektion übertragen und wie lange dauert die Inkubationszeit?

Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion und Kontakt übertragen (über Speichel beim Küssen, Niesen, gemeinsames Geschirr). Die Infektionsquelle sind meist erwachsene Virusträger. Die Inkubationszeit (Zeitraum zwischen dem Eindringen eines Krankheitserregers und dem Auftreten der ersten Symptome) beträgt zwischen 5 und 15 Tagen.

4. Wie lange dauert eine Roseola infantum?

Insgesamt dauert die Krankheit etwa 5 bis 9 Tage. Die Fieberphase hält 3 bis 5 Tage an, die Exanthemphase 2 bis 4 Tage.

5. Kommt Exanthema subitum auch bei Erwachsenen vor?

Äußerst selten, da mehr als 90 % der Erwachsenen diese Infektion bereits in der Kindheit durchgemacht haben und eine Immunität aufweisen. Bei Erwachsenen kann die Erkrankung infolge einer Erstinfektion (wenn die Person zuvor noch nicht erkrankt war) oder bei ausgeprägten Immundefekten auftreten. Erwachsene werden häufiger mit dem Subtyp HHV-6A infiziert.

6. Kann man ein zweites Mal an Roseola infantum erkranken?

Eine durchgemachte Infektion hinterlässt eine lebenslange Immunität. Eine erneute Infektion (Reinfektion) kommt äußerst selten vor und steht in der Regel im Zusammenhang mit Störungen des Immunsystems.

7. Was sind die klinischen Leitlinien für die Behandlung der Roseola infantum?

Gemäß den klinischen Leitlinien ist keine spezifische antivirale Therapie erforderlich. Die Therapie ist symptomatisch, d. h. fiebersenkende Mittel (Paracetamol, Ibuprofen) bei allgemeinem Unwohlsein und reichliches Trinken zur Rehydrierung. Antibiotika werden bei Roseola nicht verabreicht, da es sich um eine Viruserkrankung handelt.

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