Hautbiopsie in der Dermatologie: Klassifikation, Verfahrenstechnik und diagnostische Bedeutung

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Als Hautbiopsie bezeichnet man ein invasives Diagnoseverfahren, bei dem ein Hautstück (Epidermis, Dermis und, falls erforderlich, subkutanes Fettgewebe) für eine anschließende morphologische Untersuchung entnommen wird. Dieses Verfahren gewährleistet eine hohe Diagnoseeffizienz und ist in einigen Fällen die einzige Methode zur Sicherung der Erkrankung.

Die mikroskopische Untersuchung einer Biopsieprobe liefert genaue Informationen über die Zell- und Gewebestruktur des Materials, das Vorliegen eines pathologischen Prozesses, die Natur des Tumors und den Grad der Gewebeveränderungen. Dieser Ansatz in der medizinischen Praxis ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von Erkrankungen und trägt dazu bei, die Entwicklung vieler schwerwiegender Komplikationen zu verhindern.

3D-Animation: Ablauf einer Hautbiopsie

Geschichte und Entwicklung der Methode

Die ersten Beschreibungen dieses Verfahrens stammen aus dem 19. Jahrhundert, als die mikroskopische Untersuchung von Gewebe zur Sicherung klinischer Diagnosen eingesetzt wurde.

Im 20. Jahrhundert vereinfachte und beschleunigte die Standardisierung der Biopsietechniken die Probenentnahme erheblich. Moderne Technologien, darunter verbesserte histologische und molekulargenetische Untersuchungen, ermöglichen es, hochpräzise diagnostische Daten mit minimaler Traumatisierung zu erhalten.

Ziele einer Hautbiopsie

  • Diagnosesicherung: Bestätigung oder Präzisierung der klinischen Diagnose
  • Differenzierung: Differentialdiagnose von Dermatosen
  • Tumorsuche: Erkennung von bösartigen und prämalignen Prozessen
  • Staging: Beurteilung der Aktivität und des Stadiums der Erkrankung
  • Kontrolle: Überwachung der Wirksamkeit der Behandlung

Klassifikation

In der modernen dermatologischen Praxis werden mehrere Ansätze zur Einteilung des Verfahrens unterschieden.

Nach Volumen des entfernten Gewebes

  • Exzisionsbiopsie der Haut: vollständige Entfernung der Struktur im Gesunden
  • Inzisionsbiopsie der Haut: Entfernung nur eines Teils der Struktur innerhalb der pathologischen Läsion

Nach Art der Biopsieentnahme

  • Stanzbiopsie
  • Shavebiopsie (Shaving, Rasurbiopsie)
  • Trepanbiopsie
  • Keilbiopsie

Verfahrenstechnik und Indikationen für die wichtigsten Biopsiearten

Für die Durchführung einer Hautbiopsie ist in der Regel keine spezielle Vorbereitung erforderlich; die Dauer des Eingriffs beträgt durchschnittlich 15 bis 20 Minuten. Der Eingriff wird in einem Behandlungsraum oder Operationssaal durchgeführt. Vor der Entnahme des Materials führt der Arzt eine Lokalanästhesie und eine antiseptische Behandlung der Haut durch, woraufhin je nach Art und Lage der verdächtigen Struktur mit verschiedenen Methoden eine Gewebeprobe entnommen wird.

Die Tiefe der Biopsie wird durch die Ziele der histologischen Untersuchung und die Merkmale der pathologischen Läsion bestimmt. Bei oberflächlichen Entzündungsprozessen ist die Gewebeentnahme auf die Dermis beschränkt, während bei tiefen infiltrativen Läsionen die Biopsie auch das subkutane Fettgewebe umfasst.

Stanzbiopsie

Für den Eingriff wird eine spezielle Einweg-Biopsiestanze verwendet, die senkrecht zur Hautoberfläche angesetzt und mit einer Drehbewegung bis zum subkutanen Fettgewebe vorgeschoben wird. Der so gewonnene Gewebezylinder wird mit einer Pinzette erfasst und an der Basis mit einer Schere oder einem Skalpell abgetrennt. Bei Bedarf werden eine oder zwei unterbrochene Nähte angelegt, woraufhin ein aseptischer Verband angelegt wird.

Die Stanzbiopsie wird zur Diagnostik von entzündlichen, nicht neoplastischen Hautveränderungen sowie Vaskulitis eingesetzt. Mit diesem Verfahren lassen sich Proben aller Hautschichten mit minimaler Gewebetraumatisierung entnehmen.

Shavebiopsie (Shaving, Rasurbiopsie)

Entfernung der Struktur mit einer Spezialklinge
Entfernung der Struktur mit einer Spezialklinge

Die Struktur wird parallel zur Hautoberfläche mit einem speziellen Einwegrasierer oder einer Klinge abgetragen. Die Probe wird oberflächlich gewonnen, ohne die tiefen Schichten der Dermis zu beeinträchtigen. Das Anlegen von Nähten ist in der Regel nicht erforderlich; die Wunde wird mit einem aseptischen Verband versorgt.

Dieses Verfahren wird meist zur Untersuchung von gestielten Läsionen, Papeln und sonstigen erhabenen Strukturen, seborrhoischer Keratose und Warzen eingesetzt. Bei den meisten entzündlichen Erkrankungen ist diese Biopsieart nicht aussagekräftig.

Exzisionsbiopsie der Haut

Weite Exzision der Struktur mit einem Skalpell
Weite Exzision der Struktur mit einem Skalpell

Nach antiseptischer Behandlung und Lokalanästhesie wird mit einem Skalpell ein elliptischer Hautschnitt vorgenommen, wobei der Rand der pathologischen Läsion im Gesunden liegen muss. Die Läsion wird über die gesamte Hautdicke einschließlich des subkutanen Fettgewebes herausgeschnitten. Nach Erreichen der Hämostase wird die Wunde mit Einzelknopf- oder Intrakutannähten verschlossen und mit einem sterilen Verband versorgt.

Eine Exzisionsbiopsie wird bei Verdacht auf bös- und gutartige Hautneubildungen, darunter Papillome, Warzen, seborrhoische und aktinische Keratome, pyogene Granulome, Rhinophyme, sowie zur Entfernung hypertropher oder kosmetisch störender Narben angezeigt.

Bearbeitung und Versand des Biopsiematerials

Nach der Entnahme wird die Biopsieprobe in ein Fixiermittel (in der Regel 10 % neutrales Formalin) eingelegt. Das Biopsiematerial sollte mit klinischen Informationen über die Lokalisation der Läsion, die Dauer der Erkrankung und die Verdachtsdiagnose versehen sein, was die Genauigkeit des pathologisch-histologischen Befundes erheblich erhöht.

Je nach klinischem Zweck kann das Material zu folgenden Zwecken verwendet werden:

  • Histologische Untersuchung;
  • Immunhistochemische Analyse
  • Direkte und indirekte Immunfluoreszenz
  • Molekulargenetische Untersuchungen

Indikationen für die Durchführung des Verfahrens

  • Verdacht auf bösartige Hautneubildungen
  • Unklare entzündliche Dermatosen
  • Bullöse und autoimmune Hauterkrankungen
  • Chronische Geschwüre und Infiltrate
  • Infektionskrankheiten der Haut mit atypischem Verlauf

Kontraindikationen

  • Schwere Blutgerinnungsstörungen
  • Akute eitrige Prozesse an der Biopsiestelle
  • Allgemeiner schwerer Zustand des Patienten

Komplikationen und Einschränkungen des Verfahrens

Nach einer Biopsie treten Komplikationen äußerst selten auf. Am häufigsten tritt dabei ein Schmerzsyndrom auf; seltener kommen Blutungen, Keloidbildung und infektiöse Komplikationen vor.

Trotz ihres hohen diagnostischen Werts hat die Hautbiopsie gewisse Einschränkungen und erfordert eine hohe ärztliche Fachkompetenz. Eine falsche Wahl des Verfahrens oder der Tiefe der Gewebeentnahme kann zu einem nicht aussagekräftigen Ergebnis führen.

FAQ

1. Was ist eine Hautbiopsie und wozu wird sie durchgeführt?

Dabei handelt es sich um ein invasives Diagnoseverfahren, bei dem ein Hautstück (Epidermis, Dermis oder subkutanes Fettgewebe) für eine anschließende morphologische Untersuchung entnommen wird. Es ist erforderlich, wenn eine visuelle Untersuchung für eine genaue Diagnose nicht ausreicht, insbesondere bei Verdacht auf bösartige und prämaligne Prozesse sowie bei unklaren Dermatosen.

2. Ist eine Biopsie schmerzhaft?

Der Eingriff wird unter Lokalanästhesie durchgeführt, sodass die Entnahme der Gewebeprobe der Haut praktisch schmerzfrei ist. Der Patient spürt lediglich einen leichten Stich beim Verabreichen des Anästhetikums. Nach dem Abklingen der Wirkung des Arzneimittels kann es zu leichten Beschwerden oder mäßigen Schmerzen im Bereich der Wunde kommen.

3. Wie wird eine Hautbiopsie durchgeführt?

Der Eingriff wird nach einer antiseptischen Behandlung und Betäubung durchgeführt. Das Entnahmeverfahren hängt vom klinischen Zweck ab: Der Arzt kann ein spezielles rotierendes Instrument bei einer Stanzbiopsie der Haut, eine Klinge bei einer Shavebiopsie oder ein Skalpell bei einer Exzisionsbiopsie der Haut verwenden.

4. Warum wird bei Psoriasis oder atopischer Dermatitis eine Hautbiopsie angeordnet?

Obwohl diese Erkrankungen oft ein typisches klinisches Bild aufweisen, kann bei einem atypischen Verlauf eine Hautbiopsie bei Psoriasis oder atopischer Dermatitis erforderlich sein. Die Untersuchung hilft dabei, eine qualitative Differentialdiagnose zu anderen Dermatosen zu erstellen und die Diagnose in strittigen Fällen zu sichern.

5. Wie lange dauert das Verfahren und wann kann man mit dem Befund rechnen?

Die Entnahme des Materials in der Arztpraxis dauert höchstens 15–20 Minuten. Die gewonnene Gewebeprobe wird zur histologischen, immunhistochemischen oder molekulargenetischen Untersuchung weitergeleitet. Der pathologisch-histologische Befund wird in der Regel innerhalb von 5 bis 14 Tagen erstellt, je nach Komplexität der Untersuchung und der Notwendigkeit zusätzlicher Untersuchungen.

6. Hinterlässt eine Biopsie Narben?

Der Grad der Narbenbildung hängt von dem Verfahren ab: Nach einer Shavebiopsie ist in der Regel kein Anlegen von Nähten erforderlich, und es bleibt nur ein kleiner Fleck zurück. Bei einer Stanz- oder Exzisionsbiopsie von Hautneubildungen werden Nähte angelegt, an deren Stelle eine dünne, lineare Narbe entsteht, die mit der Zeit verblasst und kaum noch sichtbar ist.

Quellenverweise

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VOKA 3D Anatomy & Pathology – Complete Anatomy and Pathology 3D Atlas (VOKA 3D Anatomie und Pathologie – Vollständiger 3D-Atlas der normalen und pathologischen Anatomie) [Internet]. VOKA 3D Anatomy & Pathology.

Verfügbar unter: https://catalog.voka.io/

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Greenwood JD, Merry SP, Boswell CL. Skin Biopsy Techniques. Prim Care. 2022 Mar;49(1):1-22. doi: 10.1016/j.pop.2021.10.001. Epub 2022 Jan 5. PMID: 35125151.

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Ramsey ML, Conrad E, Chen RL, Rostami S. Skin Biopsy. 2025 Sep 15. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2025 Jan–. PMID: 29262109.

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Yasui Y, Kato H, Oda T, Nakamura M, Morita A. Complications and risk factors of punch biopsy: A retrospective large-scale study. J Dermatol. 2023 Jan;50(1):98-101.

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