Basisüberwachung während der Anästhesie: Standards und obligatorische Überwachungsparameter
Kiziukevich I.Arzt auf der Intensivstation, MD
7 min lesen·Februar 26, 2026
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Basisüberwachung ist eine kontinuierliche Bewertung der wichtigsten physiologischen Parameter des Patienten, die es ermöglicht, eine Verschlechterung der Sauerstoffversorgung, Beatmungsstörungen, Hämodynamik, Thermoregulation und andere potenziell lebensbedrohliche Komplikationen während der Anästhesie rechtzeitig zu erkennen.
Internationale Leitlinien betonen, dass die Patientensicherheit im Operationssaal nicht allein durch die Überwachung gewährleistet wird, sondern auch durch die ständige Anwesenheit und klinische Beurteilung des Anästhesisten während der Anästhesie, der prozeduralen Sedierung und des Patiententransports sowie durch ordnungsgemäß eingestellte Gerätealarme.
Patientenmonitor mit grundlegenden und erweiterten Vitalparametern
Kontrolle der anästhesiologischen Geräte
Der Anästhesist muss alle Geräte vor der Verwendung überprüfen. Der Anästhesist sollte im Umgang mit der Ausrüstung geschult sein und alle herstellerspezifischen Funktionsprüfungen fachgerecht umsetzen können.
Die Bereitstellung, Wartung, Kalibrierung und Modernisierung der Ausrüstung liegen in der Verantwortung der Institution, in der die Anästhesie durchgeführt wird.
Bei der Verabreichung von Anästhesiekomponenten über eine Infusionspumpe muss das Gerät vor dem Gebrauch einer Funktionsprüfung unterzogen werden. Infusionspumpen müssen standardmäßig mit hörbaren Alarmen ausgestattet sein.
Überwachungsgeräte
Die Überwachung eines Patienten unter jeder Art von Anästhesie sollte die regelmäßige Bewertung und Aufzeichnung von Parametern zur Sauerstoffversorgung, Beatmung und Kreislauf umfassen.
Der spezifische Umfang der Überwachung wird durch die klinische Situation und die Art der Anästhesie bestimmt. Daher sollte die Mindestüberwachung während der Anästhesie mehrere Komponenten umfassen.
In jedem Fall:
Pulsoximeter mit Plethysmographie;
Nichtinvasive Blutdruckmessung;
Elektrokardiographie (EKG);
Temperaturmessung vor der Anästhesie und alle 30 Minuten bis zum Ende des Eingriffs.
Während der Allgemeinanästhesie:
Sauerstoffkonzentration in ein- und ausgeatmeter Luft;
Kapnographie mit Kurvenanzeige.
Abhängig von der verwendeten Methodik müssen folgende Maßnahmen umgesetzt werden:
Konzentration von Inhalationsanästhetikum und Distickstoffmonoxid in ein- und ausgeatmeter Luft bei deren Verwendung;
Atemwegsdruck, Atemzugvolumen und Atemfrequenz während der mechanischen Beatmung;
Quantitative neuromuskuläre Überwachung bei Verwendung von Muskelrelaxantien, mit einem Train-of-Four-(TOF)-Überwachungszielwert ≥ 0,9 vor der Extubation;
Verfahren des prozessierten Elektroenzephalogramms (pEEG) oder Bispectral Index (BIS) Monitorings bei totaler intravenöser Anästhesie (TIVA);
Überwachung der Blutzuckerspiegel im Kapillarblut (muss sofort verfügbar sein).
Die wichtigsten physiologischen Parameter, die während der Anästhesie überwacht werden müssen – Sauerstoffversorgung, Beatmung, Kreislauf und Thermoregulation – werden detaillierter besprochen.
Patientenüberwachung
Während der Anästhesie müssen der physiologische Zustand des Patienten sowie die Angemessenheit der Anästhesie kontinuierlich beurteilt werden. Zu diesem Zweck werden Überwachungsgeräte verwendet, um die klinische Beobachtung zu ergänzen.
Die klinische Beobachtung umfasst:
Bewertung der Farbe der Schleimhäute;
Pupillengröße, Tränensekretion, Photoreaktion;
Bewegung des Brustkorbs und/oder des Beatmungsbeutels;
Ausbleiben von Reaktionen auf chirurgische Reize;
Pulsabtastung; Auskultation der Atemgeräusche;
Messung der Urinausscheidung und des Blutverlustes.
Sauerstoffüberwachung
Die Beurteilung der Sauerstoffversorgung erfolgt durch die klinische Bewertung der Hautfarbe des Patienten (obwohl diese Methode aufgrund von Faktoren wie natürlichem Hautpigment, Raumbeleuchtung und Hämoglobinkonzentration nicht immer zuverlässig ist), kontinuierliche Pulsoximetrie (SpO₂) und Bestimmung des Sauerstoffgehalts in der Atemluft.
Die Pulsoximetrie ist eine quantitative Methode zur Beurteilung der Sauerstoffversorgung. Im Operationssaal werden Pulsoximeter üblicherweise bei Erwachsenen am Finger oder Ohrläppchen und bei Säuglingen am Fuß/Knöchel oder Handgelenk/Handfläche platziert, sodass Licht durch das Gewebe dringen und auf der anderen Seite registriert werden kann.
Wenn die Pulsoximetrie während der Anästhesieeinleitung nicht verwendet werden kann (z. B. bei Kleinkindern oder nicht kooperativen Erwachsenen), sollte der Monitor sofort nach Bewusstseinsverlust angeschlossen werden. Variable Pulstonsignale und Alarmsignale mit niedrigem Schwellenwert sollten für den Anästhesisten hörbar sein.
Bei jeder Allgemeinanästhesie mit Anästhesiegerät ist die Verwendung eines Sauerstoffanalysators zwingend erforderlich, um die Verabreichung eines hypoxischen Gasgemischs zu verhindern. Moderne Gasanalysegeräte für die Anästhesie messen gleichzeitig die Konzentration von Sauerstoff (O₂), Kohlendioxid (CO₂) und inhalativem Anästhetikum.
Beatmungsüberwachung
Während der Anästhesie muss die Angemessenheit der Lungenbeatmung bei allen Patienten beurteilt werden. Dies wird durch die folgenden Methoden der klinischen Beobachtung erreicht:
Beobachtung der Brustbewegungen;
Auskultation;
Überwachung der Anzeichen einer Atemwegsobstruktion bei Patienten mit spontaner Atmung.
Zudem müssen auffällige Atemgeräusche sofort erkannt werden, die durch eine fehlerhafte Platzierung von supraglottischen Atemwegshilfen, einen Stridor, Atemwegsverlegungen sowie Laryngo- oder Bronchospasmen entstehen können.
Die Kapnographie (EtCO₂) ist eine lebenswichtige Methode zur Überwachung der Atemwegsdurchgängigkeit und der alveolären Beatmung. Die Kurvenkapnographie gilt als Goldstandard für die Überwachung intubierter Atemwege, da sie die korrekte Lage des Tubus sicher bestätigt und die Diagnose von Bronchospasmen, Hypoventilation sowie einer malignen Hyperthermie ermöglicht.
Die Messung der Lungenmechanik erfolgt durch Anästhesie-Beatmungsgeräte, wodurch Folgendes ermöglicht wird:
Kontinuierliche Überwachung von Atemzugvolumen, Atemfrequenz und Minutenbeatmung;
Kontrolle des Spitzen-, Mittel- und endexspiratorischen Atemwegsdrucks mittels digitaler Anzeige und Kurvenform.
Überwachung des Kreislaufsystems
Die Angemessenheit der Kreislaufunktion wird sowohl durch klinische Beobachtung als auch mithilfe von Monitoren beurteilt. Die klinische Beobachtung erfolgt durch Bewertung der Hautfarbe und -temperatur, der Qualität des tastbaren Pulses und der Auskultation der Herztöne; der Harnausstoß kann zur Beurteilung der Organperfusion verwendet werden.
Ein Standardgerät für die intraoperative nicht-invasive Blutdrucküberwachung ist eine automatische oszillometrische Manschette, mit der periodisch, meist mindestens alle 5 Minuten, Blutdruckmessungen durchgeführt werden.
Während der Anästhesie muss das EKG kontinuierlich überwacht werden. Dies ist eine zuverlässige Methode zur Überwachung der Herzfrequenz, des Rhythmus, der Leitung und von Elektrolytstörungen. Ein Standard-EKG mit zwölf Ableitungen ist im OP nicht praktikabel. Stattdessen werden drei oder fünf Ableitungen verwendet.
Temperaturüberwachung
Bei der Mehrheit der Patienten, deren Allgemeinanästhesie länger als 30 Minuten dauert oder die sich größeren Eingriffen unter Regionalanästhesie unterziehen, ist eine Temperaturüberwachung erforderlich.
Die Temperatur des Patienten sollte überwacht werden, um Veränderungen (häufiger Hypothermie) zu erkennen, die Thermoregulation zu steuern und eine maligne Hyperthermie frühzeitig zu erkennen.
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Dokumentation der Anästhesie
Eine genaue Erfassung der Daten aller Überwachungsgeräte ist notwendig. Derzeit werden automatisierte elektronische Systeme zur Anästhesiedokumentation bevorzugt, die direkt in die elektronische Patientenakte integriert sind.
In handschriftlichen Anästhesieprotokollen sollten Herzfrequenz, Blutdruck, SpO₂, EtCO₂ und ggf. das pEEG mindestens alle 5 Minuten sowie alle weiteren Parameter mindestens alle 15 Minuten dokumentiert werden.
Zusätzliche Werte sollten aufgezeichnet werden, wenn innerhalb dieser Intervalle signifikante Änderungen auftreten. In Notfallsituationen kann die Aufzeichnung schwierig sein; Lücken in den Aufzeichnungen sollten so schnell wie möglich gefüllt werden, sobald die klinische Situation es zulässt, wobei Trenddaten aus Überwachungsgeräten verwendet werden.
FAQ
1. Was gilt als Basisüberwachung während der Anästhesie?
Mindestanforderungen an Beobachtung und Geräte zur Kontrolle von Sauerstoffversorgung, Beatmung, Kreislauf und Temperatur: SpO₂, EKG, Blutdruck (RR)/Herzfrequenz (HF), Beurteilung der Beatmung und Kapnografie bei Allgemeinanästhesie, Überwachung der Sauerstoffzufuhr sowie Temperaturüberwachung bei entsprechender Indikation.
2. Warum ist die Pulsoximetrie für alle Patienten zwingend erforderlich?
Die SpO₂-Messung ist der schnellste Weg, um eine Hypoxämie zu erkennen; bei korrekt eingestellten Alarmen ermöglicht sie das Erkennen von Problemen, noch bevor klinische Anzeichen einer Zyanose auftreten.
3. Warum ist Kapnographie notwendig, wenn SpO₂ normal ist?
Bei zusätzlicher Sauerstoffgabe kann die SpO₂ selbst bei Hypoventilation oder Apnoe normal bleiben, während die Kapnografie Beatmungsstörungen, Obstruktionen und Verbindungstrennungen im Beatmungssystem sofort erkennt.
4. Wie oft sollte der Blutdruck während der Allgemeinanästhesie gemessen werden?
In den meisten Standards wird der Blutdruck mit einer nicht-invasiven Methode (NIBP) gemessen und regelmäßig dokumentiert, typischerweise in Abständen von höchstens 5 Minuten, es sei denn, es gibt Hinweise, die häufigere Überwachungen oder eine invasive Blutdruckmessung erfordern.
5. Welche Alarmparameter am Monitor sind am wichtigsten?
Diejenigen, die vor Gefahren für die Sauerstoffversorgung und Beatmung warnen: SpO₂, EtCO₂, Apnoe, hoher Atemwegsdruck sowie kritische Blutdruck- und Herzfrequenzgrenzwerte.
6. Benötigen alle Patienten eine Überwachung der neuromuskulären Blockade (TOF)?
Dies ist nicht bei allen Patienten zwingend erforderlich, aber äußerst wichtig bei der Verwendung von neuromuskulären Blockern (NMBA), um Restmuskelentspannung zu vermeiden und die Extubationssicherheit zu erhöhen.
7. Wann ist die Temperaturüberwachung unerlässlich?
Bei längeren Eingriffen, bei Kindern und älteren Menschen, während großer abdomineller/orthopädischer Eingriffe, erheblicher Körperexposition und während aktiver Erwärmung – um Überhitzung zu vermeiden.
8. Welche Aspekte werden bei der Basisüberwachung oft übersehen?
Kontinuierliche Beobachtung während der Einleitungs- und Aufwachphase, Überwachung im Aufwachraum, auf der Intensivstation sowie während des Transports; zudem die korrekte Alarmeinstellung und klinische Interpretation der Daten statt bloßem „Ablesen von Zahlen“.
Quellenverweise
1.
VOKA 3D Anatomy & Pathology – Complete Anatomy and Pathology 3D Atlas (VOKA 3D Anatomie und Pathologie – Vollständiger 3D-Atlas der normalen und pathologischen Anatomie) [Internet]. VOKA 3D Anatomy & Pathology.
Verfügbar unter: https://catalog.voka.io/
2.
Klein, A.A., Meek, T., Allcock E. (2021). Recommendations for standards of monitoring during anaesthesia and recovery 2021: Guideline from the Association of Anaesthetists (Empfehlungen für Standards der Überwachung während Anästhesie und Genesung 2021: Leitlinie der Association of Anaesthetists). Anaesthesia. 76(9):1212-1223. doi: 10.1111/anae.15501.
3.
Wollner, E., Nourian, M. M., Booth W. (2020). Impact of capnography on patient safety in high- and low-income settings: a scoping review (Einfluss der Kapnografie auf die Patientensicherheit in Ländern mit hohem und niedrigem Einkommen: eine systematische Übersichtsarbeit). British Journal of Anaesthesia. 125 (1): 88-103. 10.1016/j.bja.2020.04.057.
4.
Iohom, G. Basic patient monitoring during anesthesia (Basisüberwachung beim Patienten während der Anästhesie) [Internet]. In: Post TW, editor. UpToDate [Internet]. Waltham (MA): UpToDate; 2026 [aktualisiert 2. Okt 2025; zitiert Feb 2026].
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