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Stimmgabeltests

Auch bekannt als: Stimmgabelprüfung, Hörtest mithilfe einer Stimmgabel

Stimmgabeltests sind klassische Standardverfahren der Audiometrie (Prüfung des Gehörs), die mit einem Satz medizinischer Stimmgabeln durchgeführt wird. Diese Tests sind ein wesentlicher Bestandteil der HNO-Untersuchung und dienen der Schnelldiagnostik und vor allem der Unterscheidung zwischen den Formen der Schwerhörigkeit.

Das Hauptziel von Stimmgabelprüfungen ist nicht der Grad des Hörverlusts, sondern eine Differentialdiagnose zwischen Schallleitungsschwerhörigkeit (Störung der Schallleitung) und Schallempfingungsschwerhörigkeit (Schädigung des Schallempfangsapparats).

Prinzip und Werkzeuge

Die Methode basiert auf dem Vergleich der Wahrnehmung bei der Übertragung von Schall auf zwei Wegen:

  • Luftleitung (LL): Die Schallwelle gelangt über den äußeren Gehörgang, das Trommelfell und die Gehörknöchelchenkette zum Innenohr. Dies ist der physiologische Weg der Schallwahrnehmung.
  • Knochenleitung (KL): Die Schallschwingungen werden direkt über die Schädelknochen an die Cochlea weitergeleitet, ohne den Schallleitungsapparat zu passieren.

Für die Untersuchung wird ein Satz Stimmgabeln verwendet, meist C₁₂₈ (zur Beurteilung der Vibrationsempfindlichkeit) und C₅₁₂ (für die grundlegenden Rinne- und Weber-Versuche, da seine Frequenz im Sprachbereich liegt).

Haupttests und Interpretation der Befunde

Es gibt mehrere klassische Tests, die einen Gesamtüberblick über den Zustand des Hörorgans verschaffen.

Rinne-Versuch

  • Durchführung: Der Fuß einer schwingenden Stimmgabel wird zunächst auf den Processus mastoideus aufgesetzt (Knochenleitung). Wenn der Ton für den Probanden nicht mehr hörbar wird, wird die dann immer noch schwingende Stimmgabel vor das Ohr gehalten (Luftleitung).
  • Interpretation:
    • Rinne-positiv (LL > KL): Der Schall wird über Luftleitung lauter wahrgenommen als über Knochenleitung. Beim Gesunden und beim Schallempfindungsschwerhörigen fällt der Rinne-Test positiv aus.
    • Rinne-negativ (KL > LL): Der Knochenschall wird länger und lauter gehört als der Luftschall. Es ist ein Zeichen der Schallleitungsschwerhörigkeit.

Weber-Versuch

  • Durchführung: eine schwingende Stimmgabel wird auf die Mitte des Scheitels oder der Stirn aufgesetzt. Der Proband wird gefragt, ob und in welchem Ohr der Ton lauter gehört wird.
  • Interpretation:
    • Der Normalhörende hört den Ton in der Mitte.
    • Lateralisation ins kranke Ohr: der Ton wird im betroffenen Ohr lauter gehört. Es ist ein Zeichen der Schallleitungsschwerhörigkeit auf der betroffenen Seite.
    • Lateralisation : der Ton im nicht betroffenen (gesunden) Ohr wird lauter gehört. Es ist ein Zeichen der Schallempfindungsschwerhörigkeit auf der betroffenen Seite.

Schwabach-Versuch

  • Durchführung: Die Dauer der Schallwahrnehmung durch Knochenleitung des Probanden und des normalhörigen Prüfers wird verglichen.
  • Interpretation:
    • Negativer Schwabach: Der Patient hört den Ton kürzer, als der Arzt. Es ist ein Zeichen der Schallempfindungsschwerhörigkeit.
    • Positiver Schwabach: Der Patient hört den Ton länger, als der Arzt. Es ist ein Zeichen der Schallleitungsschwerhörigkeit.

Klinische Signifikanz

Trotz der Fortschritte in der Audiometrie bleiben Stimmgabeltests eine unverzichtbare Methode zur schnellen Beurteilung des Hörvermögens direkt am Krankenbett oder unter ambulanten Bedingungen. Sie ermöglichen es dem Arzt, sofort und noch vor apparativer Untersuchung qualitativ hochwertige Informationen über die Form der Schwerhörigkeit zu erhalten. So weisen zusammen ein negativer Rinne-Befund und eine Lateralisation in Weber-Versuch auf der betroffenen Seite eindeutig auf eine Schalleitungsstörung hin. Die Ergebnisse der Stimmgabeltests helfen bei der Interpretation der Augiogrammbefunde und sichern ein umfassendes Bild vom Hörvermögen des Patienten.

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