Glossar durchsuchen

Blättern nach Buchstaben

Alle Begriffe

Parapharyngealabszess

Auch bekannt als: Parapharyngealer Abszess, Abszess des Parapharyngealraums

Ein Parapharyngealabszess (lat. Abscessus parapharyngealis) ist eine begrenzte Ansammlung von Eiter im parapharyngealen Raum (in der Umgebung des Rachens). Dieser Zustand gehört zur Gruppe der tiefen Phlegmonen und Abszesse in der Halsregion und stellt aufgrund des Risikos schwerwiegender Komplikationen einen lebensbedrohlichen Fall dar.

Die Gefahr dieser Erkrankung liegt in der anatomischen Lage des Parapharyngealraums, in dem lebenswichtige Strukturen wie die Arteria carotis interna, die Vena jugularis interna und die Hirnnerven (9., 10., 11., 12. Hirnnerv) verlaufen. Die Ausbreitung des eitrigen Prozesses kann zu ihrer Schädigung und einer raschen Entwicklung von Sepsis führen.

Ätiologie und Pathophysiologie

Der Parapharyngealraum (Spatium lateropharyngeum) ist ein seitlich zu beiden Seiten des Rachens gelegener Spalt, der sich von der Schädelbasis bis zum Zungenbein erstreckt und mit lockerem Bindegewebe und Fettgewebe gefüllt ist. Die Infektion dringt da hauptsächlich aus benachbarten Entzündungsherden ein.

Hauptinfektionswege:

  • Tonsillogen: Der häufigste Weg. Die Infektion breitet sich von den Gaumenmandeln als Komplikation einer Tonsillitis oder eines Paratonsillarabszesses aus.
  • Odontogen: Die Quelle sind infektiöse Prozesse der unteren Molaren (insbesondere des dritten Molaren – des Weisheitszahns).
  • Otogen: Entzündliche Erkrankungen des Ohres (Mastoiditis, Otitis).
  • Stomatogen: Speicheldrüsenentzündung (Sialadenitis).
  • Traumatisch: Penetrierende Verletzungen des Halses, der Rachenschleimhaut.

In der Regel geht es um eine aerob-anaerobe Mischinfektion (Staphylokokken, Staphylokokken).

Klinische Signifikanz

Die Klinik äußert sich in einer rasch zunehmenden Symptomatik mit ausgeprägten Allgemeinbeschwerden. Die Diagnose wird anhand der charakteristischen Anzeichen gestellt, wobei ein CT der Halsweichteile mit Kontrastmittel als „Goldstandard“ der bildgebenden Verfahren gilt.

Die häufigsten Symptome:

  • Allgemein: hohes Fieber (39–40 °C), Schüttelfrost, ausgeprägtes Unwohlsein.
  • Halsschmerzen: i. d. R. unilateral, intensiv, verstärkt sich beim Schlucken.
  • Trismus: Starke Einschränkung und Schmerzen beim Öffnen des Mundes durch einen Krampf der Kaumuskulatur. Es ist eines der Leitsymptome.
  • Ödem: Ausgeprägte Schwellung der seitlichen Rachenwand unter dem Angulus mandibulae. Bei der Rachenspiegelung (Pharyngoskopie) ist die Seitenwand vorgewölbt und die Gaumenmandeln zur Mitte hin verlagert.
  • Kopfzwangshaltung: Der Kopf ist zur betroffenen Seite geneigt.

Die Therapie beinhaltet eine Notfalloperation. Der Abszess wird in der Regel durch eine Inzision von außen eröffnet und drainiert, kombiniert mit einer massiven intravenösen antibiotischen Abdeckung. Am wichtigsten ist, die Durchgängigkeit der Atemwege sicherzustellen.

Differentialdiagnose

Ein Parapharyngealabszess sollte in erster Linie von einem Peritonsillarabszess unterschieden werden. Für den Letzteren ist eher eine lokale Schwellung im Bereich des oberen Tonsillenpols charakteristisch, während bei einem Parapharyngealabszess die gesamte Seitenwand des Rachens anschwillt und sich vorwölbt. Außerdem sind Trismus und äußere Halsödeme bei einem Parapharyngealabszess deutlich ausgeprägter. Mithilfe einer CT-Untersuchung lässt sich die Lokalisation und Ausbreitung des eitrigen Prozesses genau bestimmen und von anderen tiefen Halsinfektionen wie einem Retropharyngealabszess oder einer Phlegmone des Mundbodens (Ludwig-Angina) abgrenzen.

Link erfolgreich in die Zwischenablage kopiert

Ich danke Ihnen!

Ihre Nachricht wird gesendet!
Unsere Experten werden sich in Kürze mit Ihnen in Verbindung setzen. Wenn Sie weitere Fragen haben, kontaktieren Sie uns bitte unter info@voka.io