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Otorrhö

Auch bekannt als: Ohrausfluss, Ohrenfluss

Otorrhö (von altgriechisch οὖς „Ohr“ und ῥέω „fließen“) ist ein medizinischer Begriff, der jeden Flüssigkeitsaustritt aus dem äußeren Gehörgang bezeichnet. Otorrhö ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom einer Vielzahl von Krankeitsbildern, die das Außen-, Mittel- oder Innenohr sowie angrenzende Strukturen betreffen.

Die Beschaffenheit des Sekrets (Farbe, Konsistenz, Geruch) ist ein wichtiges diagnostisches Merkmal, das bei der Bestimmung der Ursache und Lokalisation des pathologischen Prozesses wegweisend sein kann. Eine genaue Diagnose und Behandlung der Grunderkrankung ist äußerst wichtig, um Komplikationen zu vermeiden und das Gehör zu erhalten.

Ätiologie und Pathophysiologie

Die Ursachen für Otorrhö sind vielfältig und werden üblicherweise nach der Art des Exsudats klassifiziert.

Die häufigsten Formen und ihre Ursachen:

  • Putrid (Otopyorrhö): Dickflüssiger Ausfluss von gelber oder grüner Farbe, häufig fötid.
    • Akute Otitis media: Im Perforationsstadium, wenn der Eiter das Trommelfell nach außen durchbricht.
    • Chronische eitrige Otitis media: Ständiger oder wiederkehrender Eiterausfluss durch eine dauerhafte Perforation. Es kann ein Anzeichen für ein Cholesteatom sein.
    • Otitis externa: Bakterielle oder mykotische Hautinfektion im Gehörgang.
  • Serös oder mukös: Transparenter, wässriger oder umgekehrt zähflüssiger, schleimiger Ausfluss.
    • Seröse Otitis media: Bei bestehender Perforation oder einem angebrachten Belüftungsröhrchen (Shunt).
    • Allergische Dermatitis des Gehörgangs.
  • Hämorrhagisch (Otorrhagie): Ausfluss mit Blutbeimengungen.
    • Trauma: Verletzung der Gehörgangshaut, traumatische Trommelfellruptur, Schädel-Hirn-Trauma.
    • Otitis externa bullosa haemorrhagica: häufig mit Grippe assoziiert (Grippeotitis).
    • Neubildungen: Ohrtumoren (z. B. Glomustumor, Plattenepithelkarzinom).
  • Otoliquorrhoe: Ausfließen von klarer, wässriger Flüssigkeit — Liquor cerebrospinalis.
    • Schädelbasisfraktur: ein ernstes Symptom, das auf eine Kommunikation zwischen den Liquorräumen und der Paukenhöhle hinweist.
    • Postoperative Komplikationen nach Eingriffen am Ohr oder an der Schädelbasis.

Klinische Signifikanz

Jede Otorrhö ist ein Grund, unbedingt einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen. Die diagnostische Untersuchung umfasst die Anamneseerhebung, Abklärung von Begleiterscheinungen (Schmerzen, Hörverlust, Schwindel, Fieber) und eine obligatorische Ohruntersuchung (Otoskopie oder Endoskopie).

Der Arzt beurteilt den Zustand der Gehörgangshaut und des Trommelfells und ermittelt die Ursache der Ausflusses (Entzündung, Perforation, Polyp, Tumor). Zur Identifizierung des Erregers und zur Auswahl der Therapie wird eine bakteriologische Untersuchung des Sekrets durchgeführt. Bei Verdacht auf eine Schädigung des Mittelohrs und der Knochenstrukturen erfolgt eine Audiometrie und ein Schläfenbein-CT. Das Krankheitsbild wird ursächlich behandelt, d. h. Antibiotikatherapie bei Infektionen, chirurgischer Verschluss der Perforation u. s. w.

Differentialdiagnose

Die Diagnostik zielt auf die Bestimmung der anatomischen Ursache für den Ausfluss ab. Es muss klar zwischen einer Otitis externa, bei der nur der Gehörgang betroffen ist, und einer Otitis media mit Trommelfellperforation unterschieden werden. Hörverlust, Tinnitus oder Schwindel deuten fast immer auf eine Mitbeteiligung des Mittel- oder Innenohrs hin. Am allerwichtigsten ist es, eine Otoliquorrhoe rechtzeitig zu erkennen, weil sie wegen der Gefahr einer Meningitis lebensbedrohlich sein kann. Jeder wässrige Ohrausfluss nach einer Kopfverletzung sollte als Liquorrhoe betrachtet werden, bis das Gegenteil bewiesen ist.

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