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Mund-Antrum-Verbindung und Mund-Antrum-Fistel

Auch bekannt als: Antrumperforation, Eröffnung der Kieferhöhle

Die Mund-Antrum-Verbindung (MAV) ist eine pathologische (physiologisch nicht vorhandene) Verbindung zwischen der Mundhöhle und der Kieferhöhle. Wurde die Verbindung nicht umgehend verschlossen oder bleibt diese über längere Zeit (über 2–3 Wochen) bestehen, kommt es zur Epithelisierung seiner Wände und es bildet sich eine Mund-Antrum-Fistel, d. h. ein stabiler, nicht selbstheilender Gang.

Somit ist die MAV eine akute Phase des Prozesses, während die Fistel eine chronische, ausgereifte Form darstellt. Die Eröffnung der Kieferhöhle beeinträchtigt ihre Barrierefunktion, wodurch Krankheitserreger aus der Mundhöhle in diese eindringen und eine chronische odontogene Sinusitis maxillaris herbeiführen.

Ätiologie und Pathophysiologie

Am häufigsten entsteht eine Mund-Antrum-Verbindung durch die Perforation des Bodens der Kieferhöhle bei zahnärztlichen Eingriffen. Sie basiert auf der engen anatomischen Lagebeziehung der oberen Molaren zum Sinus maxillaris.

Mögliche Ursachen sind:

  • Entfernung eines Zahnes: Die häufigste Ursache (über 80% der Fälle). Meistens entsteht die Perforation bei der Extraktion der oberen Molaren und Prämolaren (4., 5., 6., 7. Zahn).
  • Zahnärztliche Operationen: Komplikationen beim Setzen eines Zahnimplantates, Sinuslift, Entfernung von Oberkieferzysten oder -tumoren.
  • Traumata: Oberkiefer- und Jochbeinfrakturen.
  • Infektionsprozesse: Zerstörung der Knochenwand durch chronische Parodontitis, Osteomyelitis oder Tumorzerfall.

Die Pathogenese der Fistelbildung beruht auf der Migration von Epithelzellen aus der Mundhöhle über die Wände des Wundkanals zum Sinus hin. Eine komplette Epithelisierung des Ganges verhindert das spontane Abheilen und führt zu einer chronischen Entzündung in der Kieferhöhle.

Klinische Signifikanz

Die Klinik hängt vom Ausmaß und Dauer des Defekts ab. Die Diagnose basiert auf Beschwerden und klinischem Befund.

Die typischen Symptome sind:

  • Passieren der Flüssigkeit: Flüssige Nahrung gelangt beim Essen und Trinken aus dem Mundraum in die Nase.
  • Passieren der Luft: Freier Luftdurchtritt vom Mund zur Nase und zurück.
  • Stimmveränderung: Näselnder Klang der Stimme (Rhinolalie).
  • Symptome der Kieferhöhlenentzündung: Einseitig verstopfte Nase, unilateraler eitriger Nasenausfluss, Schmerz und Druckgefühl im Bereich der betrofenen Wange.

Das wichtigste Diagnoseverfahren ist der Nasenblasversuch (NBV): Der Patient verschließt den Naseneingang mit den Fingern und bläst Luft in die geschlossene Nase. Beim positiven NBV kommt es zu einer sichtbaren Blasenbildung bzw. ist ein Strömungsgeräusch im Bereich der Extraktionswunde zu hören. Die Untersuchung der Kieferhöhle und des Knochengewebes erfolgt mittels einer Röntgenaufnahme oder einer Kegelstrahl-Computertomographie (CBCT). Die Behandlung ist grundsätzlich operativ und zielt auf die plastische Verschließung des Defekts ab.

Differentialdiagnose

Eine akute Mund-Antrum-Verbindung sollte von einer Alveolitis sicca („trockene Alveole“) abgegrenzt werden, die ebenfalls mit Schmerzen einhergeht, aber keine charakteristischen Anzeichen für den Durchgang von Luft und Flüssigkeit aufweist. Bei Vorliegen einer chronischen Fistel und Symptomen einer Sinusitis ist es wichtig, andere mögliche Ursachen für eine einseitige Sinusitis auszuschließen, wie z. B. Fremdkörper (Füllmaterial), Pilzinfektion oder Neubildung. Hierfür sind die Ergebnisse der CBCT von entscheidender Bedeutung.

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