Als Mastoiditis (lat. mastoiditis) bezeichnet man eine eitrige Entzündung der belüfteten Knochenzellen im Warzenfortsatz (Processus mastoideus) des Schläfenbeins. Dieses Krankheitsbild entsteht am häufigsten als Komplikation einer akuten oder chronischen Otitis media, wenn sich die Infektion aus der Paukenhöhle in den Warzenfortsatz verbreitet.
Dieser hat eine poröse Struktur mit belüfteten Zellen, die mit der Paukenhöhle kommunizieren. Bei Entzündungen kommt es zu einer gestörten Drainage, wodurch Eiteransammlung, Druckerhöhung und anschließende Zerstörung der Wände von Mastoidzellen begünstigt werden.
Die häufigste Ursache sind bakterielle Infektionen. Meistens sind die Erreger dieselben Mikroorganismen, wie bei einer Otitis media: Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae und Streptococcus pyogenes. Prädisponierend wirken dabei Immunsuppression und eine falsch behandelte Otitis.
Der pathologische Prozess beginnt mit einer Schwellung der Schleimhaut, die die Mastoidzellen auskleidet, wodurch deren Verbindung zum Mittelohr blockiert wird. In geschlossenen Hohlräumen sammelt sich Exsudat an, das sich dann vereitert. Der Druck des Eiters verursacht Nekrose und Resorption der Knochentrabekel und die Einschmelzungsherde vereinigen sich zu einer oder mehreren großen Abszesshöhlen.
Die Klinik der Mastoiditis umfasst starken Ohrenschmerz und retroaurikuläre Beschwerden, Fieber, Allgemeinsymptomatik und Hörminderung. Typische äußere Zeichen sind ödematöse Hyperämie der Haut über dem Warzenfortsatz und ein Abstehen der Ohrmuschel (nach vorne unten).
Die Diagnose wird anhand der Anamnese (vorangegangene Otitis), der klinischen und otoskopischen Befunde gestellt. Das häufigste Verfahren zur Instrumentaldiagnostik ist Schläfenbein-CT, bei dem der Grad an Knochendestruktion und mögliche intrakranielle Komplikationen sichtbar werden.
Die Therapie erfolgt unter stationärer Aufnahme. Massive intravenöse Antibiotikatherapie ist angezeigt. Wenn keine Wirkung eintritt oder sich destruktive Veränderungen entwickeln, ist ein chirurgischer Eingriff (Antrotomie/Mastoidektomie) angezeigt, bei dem die betroffenen Zellen eröffnet, gereinigt und drainiert werden.
Differenzialdiagnostisch sollte an Otitis externa, Gehörgangsfurunkel und retroaurikuläre Lymphadenitis gedacht werden. Von entscheidender Bedeutung ist die Symoptomatik einer Otitis media und ein typischer CT-Befund. Eine verzögerte Behandlung von Mastoiditis birgt das Risiko schwerwiegender Komplikationen wie Meningitis, Hirnabszess, Sinusvenenthrombose und Fazialisparese.
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